DGTelemedDie Deutsche Gesellschaft für Telemedizin begrüßt den Entwurf eines Gesetzes für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen und die formulierte Zielsetzung, die längst erwartete Telematikinfrastruktur zu etablieren. Die Chance für eine zeitnahe Sicherung eines flächendeckenden Einsatzes telemedizinischer Anwendungen in ländlichen Regionen wurde dagegen nicht genutzt.

Der Gesetzentwurf verfolgt richtiger Weise das Ziel, die Telematikinfrastruktur mit ihren Sicherheitsmerkmalen als die zentrale Infrastruktur für eine sichere Kommunikation im Gesundheitswesen zu etablieren und sie für weitere Anwendungen im Gesundheitswesen und für weitere Leistungserbringer zu öffnen. Mit der Verpflichtung, die Strukturen der Gesellschaft für Telematik und ihre Kompetenzen zu erweitern und die Interoperabilität der informationstechnischen Systeme im Gesundheitswesen zu verbessern, wird ein wichtiger Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz aus dem Jahr 2013 aufgenommen und der Weg zur Umsetzung geebnet. Positiv ist zu vermerken, dass Türen für eine Nutzung der Telematikinfrastruktur auch durch Telemedizin nunmehr weit offen stehen, auch ein verbindlicher Zeitplan wird vom Gesetzgeber vorgegeben.

Die Absicht, telemedizinische Leistungen zu fördern, erscheint an verschiedenen Stellen des Referentenentwurfes leider nur als Randnotiz. Der Versuch, eine Anpassung der Nutzenbewertung telemedizinischer Leistungen an aktuelle medizinisch, technologische Entwicklungen vorzunehmen, wird mit diesem Gesetzesentwurf leider nicht unternommen. Der Entwurf sieht nur vor, eine festgelegte Vergütung für Krankenhäuser und Ärzte einzuführen, wenn sie einen elektronischen Entlassbrief in der Praxis erstellen. Darüber hinaus sollen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte und Einrichtungen für die Jahre 2016 und 2017 eine im Gesetz festgelegte Pauschale für die sichere Übermittlung von elektronischen Briefen erhalten. Diese Regelungen gehen in die richtige Richtung, um Anreize für Ärzte zu schaffen, moderne technologische Entwicklungen auch im ärztlichen Alltag zu nutzen.

Das reicht allerdings nicht aus, um vor allem ambulante telemedizinische Leistungen zeitnah insbesondere in ländlichen Regionen zur Anwendung zu bringen. Telemedizinische Leistungen gewinnen aber vor dem Hintergrund der Stärkung der sektorenübergreifenden Kooperation von Ärzten und der Versorgung der Versicherten insbesondere in dünnbesiedelten Regionen weiter an Bedeutung. Telemedizinische Leistungen sollen daher im einheitlichen Bewertungsmaßstab ausgebaut und mit Zuschlägen gefördert werden können. Damit wird die Nichterfüllung des gesetzlichen Prüfauftrages aus dem Versorgungsstrukturgesetze des Jahres 2012 ignoriert und sanktionslos eine weitere Prüfung bis 2017 festgeschrieben.

In Anbetracht vorhandener telemedizinischer Anwendungsmöglichkeiten in fast allen medizinischen Disziplinen ist die im Gesetzentwurf geplante Änderung des § 87 a) nicht ausreichend, da zahlreiche Ärztenetze und Radiologieverbünde längst Wege und Möglichkeiten der Vernetzung und z. T. länderübergreifenden Zusammenarbeit gefunden haben. Es bleibt aber offen, warum man sich in der Neuregelung auf teleradiologische Verfahren beschränkt und weitere bildgebende Verfahren und z.B. EKGs nicht einbezogen werden.

Der Prüfauftrag, inwieweit bislang papiergebundene Verfahren zur Organisation der vertragsärztlichen Versorgung durch elektronische Kommunikationsverfahren ersetzt werden können, ist bis spätestens am 31. Dezember 2016 umzusetzen. Eine termingerechte Realisierung dieser Vorgabe darf zumindest angezweifelt werden. Wie die Organe der Selbstverwaltung als wichtige Säulen des deutschen Gesundheitswesens mit solchen gesetzlichen Aufträgen umgehen, ist hinreichend bekannt.

Die DGTelemed begrüßt, dass die gesetzlichen Regelungen für die Gesellschaft für Telematik im Hinblick auf den flächendeckenden Betrieb der Telematikinfrastruktur fortgeschrieben wird. Der Gesellschaft für Telematik werden verbindliche Termine für die von ihr durchzuführenden Maßnahmen zur Sicherstellung der Nutzung des Versichertenstammdatendienstes und der Notfalldaten gesetzt; bei Nichteinhaltung der Termine erfolgt eine Kürzung der Ausgaben bei den öffentlich-rechtlichen Gesellschaftern der Gesellschaft für Telematik. Darüber hinaus wird auch ein Sanktionsmechanismus auf der Ebene der Arztpraxen eingeführt. Diese Festlegungen werden unterstützt, zugleich aber wird festgestellt, dass ähnliche Regelungen für den Bewertungsausschuss hinsichtlich der Aufnahme ambulanter telemedizinischer Leistungen in den EBM leider nicht im Referentenentwurf enthalten sind.

Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin wird sich auch weiterhin in die Arbeit der e Health Initiative einbringen und sich dafür einsetzen, dass Qualitätskriterien und Alternativen zur evidenzbasierter Nutzenbewertung medizinischer Leistungen mit telemedizinischen Technologien nötig und möglich sind.

Über die DGTelemed
Die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e.V. (DGTelemed) ist eine bundesweite Vereinigung zur Förderung, Verbreitung, und Publizierung moderner, innovativer Entwicklungen, Lösungen und Produkte in der Telemedizin. Sie versteht sich als Fachgesellschaft für Telemedizin, die Experten der Telemedizin organisiert und zusammenführt. Die DGTelemed ist Plattform für den Erfahrungsaustausch von Experten und organisiert diesen. Mitglieder sind Krankenhäuser, Ärzte, Wissenschaftler, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen der Medizintechnik und Pharmazie, Beratungs- und Dienstleistungsunterneh­men, Krankenkassen, ärztliche Körperschaften, IT-Unternehmen und weitere Institutionen und Persönlichkeiten. Die DGTelemed fördert die Kontakte ihrer Mitglieder untereinander sowie mit Partnern aus Politik, Gesundheitswesen, Wissenschaft und Wirtschaft im deutschen und europäischen Gesundheitsmarkt.

Beliebte Artikel

Kooperation mit Siemens Healthineers sorgt für erw…

Materialise, führender Anbieter von Lösungen für 3D-Druck in der Medizin, und Siemens Healthineers, ein führendes Medizintechnik-Unternehmen, bringen gemeinsam die Materi...

Digital Health Society EU-Initiative von Estland b…

Der internationale Digital Health-Tag (15. November 2017) beim HEALTH IT FORUM auf der MEDICA stand unter dem Motto „Digitale Medizin - Strategie für Europas Bürger und P...

medatixx für DALE-UV und Früherkennungskoloskopie …

Die Praxissoftware medatixx des gleichnamigen Herstellers wurde jetzt von der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) für das DALE-UV-Verfahren zertifiziert. Damit...

Der Health Innovation Port (HIP) öffnet seine Tore

Der Health Innovation Port (HIP) auf dem Philips Campus in Hamburg-Fuhlsbüttel wurde Anfang des Jahres gegründet und ist schon jetzt zum offiziellen Startschuss ein inspi...

Anästhesiologie - das neue Fachgebiet in UpToDate

Ein Jubiläum - und ein starkes, ergänzendes Angebot: Wolters Kluwer feiert 25 erfolgreiche Jahre von UpToDate und stellt zugleich sein 25. Fachgebiet vor. Mit der Anästhe...

Fachforum Telematik veröffentlicht Positionspapier…

Als Ergebnis seiner letzten Sitzung hat das Fachforum Telematik der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH in Bochum ein Positionspapier verabschiedet, welches we...

Mediziner und Software-Entwickler trainieren neue …

Allmählich halten sie Einzug in Krankenhäuser und Arztpraxen - lernfähige Computerassistenten, die die Ärzte bei ihren Diagnosen und Therapieplanungen unterstützen. Bisla...

Schnell, sicher und strukturiert zum Befund

Die Befundung ist der Radiologen täglich Brot und bildet die Basis vieler Therapieempfehlungen. Zu Zeiten stetig steigender Untersuchungszahlen und komplexerer Krankheits...

MEDICA 2017: NRW-Staatssekretär Heller informiert …

Anlässlich der diesjährigen MEDICA besuchte Staatssekretär Dr. Edmund Heller vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen den „Lande...

MEDICA 2017: NRW-Gesundheitsminister Laumann infor…

Mit dem Auftakt der MEDICA stattete Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, am Montag, den 13. November, dem „Lan...

Der „8. Nationale Fachkongress Telemedizin“ in Ber…

Bereits zum achten Mal veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) am 11. und 12. Dezember 2017 den „Nationalen Fachkongress Telemedizin“ im ...

conhIT-Nachwuchspreis 2018: Junge Healthcare IT-Ta…

Ob Robotik-Experte oder Software-Entwickler für das papierlose Krankenhaus: Im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens werden Fachkräfte in der Medizininformatik h...

(HEALTH IT) SPACE