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Wissen

E-Health (auch eHealth geschrieben, kurz für Electronic Health) ist ein Sammelbegriff für den Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen.
In ganz Europa wird die Bereitstellung von Gesundheits- und Sozialfürsorgediensten immer komplexer und teurer. Eine alternde Bevölkerung, eine Vielzahl öffentlicher, privater und informeller Akteure in Verbindung mit unzähligen E-Gesundheitssystemen und -technologien schaffen zahlreiche Hürden bei der Bereitstellung effizienter und kostengünstiger Pflege. Ein Team aus Forschern und Praktikern trägt mit finanzieller Unterstützung durch die EU dazu bei, diese Dienstleistungen auf den Weg zu bringen.

Grob umrissen, geht es bei "integrierter eCare" darum, Akteure aus dem Gesundheitswesen und der Sozialfürsorge zur Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen anzuregen – angefangen bei Hausärzten bis hin zu öffentlichen Krankenhäusern und von Pflegekräften in der häuslichen Krankenpflege bis hin zu Notfallzentren für ältere Menschen. Sie müssen effizient strukturiert, sich ihrer speziellen Rolle in der Wertschöpfungskette bewusst und insbesondere in der Lage sein, effizient Informationen untereinander auszutauschen.

"Gesundheits- und Sozialfürsorgedienste werden heutzutage häufig unabhängig voneinander bereitgestellt. Dadurch kommt es zu Ineffizienzen, Vergeudung von Ressourcen und potenziell auch zu einer geringeren Pflegequalität", erklärt Ingo Meyer, wissenschaftlicher Referent bei Empirica in Deutschland. "Ältere Menschen sind von dieser Situation besonders betroffen, da sie häufig beide Arten von Dienstleistungen benötigen, wie z. B. Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags und die Behandlung chronischer Krankheiten."

Empirica koordinierte ein Konsortium aus 11 Partnerorganisationen aus fünf europäischen Ländern im Projekt "Common platform services for ageing well in Europe" (COMMONWELL), einer mehr als dreijährigen Initiative zur Entwicklung und Bereitstellung integrierter Pflegemodelle und der zugrunde liegenden Technologie. Das Projekt, das von der Europäischen Kommission mit 2,68 Mio. EUR kofinanziert wurde, erwies sich als derart erfolgreich, dass die von ihm entwickelten Systeme und Dienstleistungen immer noch an den vier Pilotstandorten von COMMONWELL verwendet werden. Und es gibt sogar Pläne, das integrierte Pflegemodell auf andere Bereiche auszudehnen.

"Die Idee einer Integration zwischen Gesundheitswesen und Sozialfürsorge gibt es seit etwa 20 Jahren, aber erst jetzt gewinnt sie an Dynamik, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die Leute mehr Dienstleistungen nachfragen und die Anbieter gemerkt haben, dass so viel Zeit und Anstrengungen vergeudet werden, weil die Aufgaben gleichzeitig von verschiedenen Anbietern ausgeführt werden - daher werden die gleichen Dinge zwei Mal erledigt, andere wiederum wurden übersehen", sagt Meyer.

Als Beispiel führt er eine Person an, die aus dem Krankenhaus entlassen wird, das jedoch nicht die häusliche Krankenpflege darüber informiert, dass die Verbände am nächsten Tag gewechselt werden müssen oder ein bestimmtes Medikament zu einer bestimmten Zeit eingenommen werden muss - Versäumnisse, die die Gesundheit des Patienten beeinträchtigen und den Gesundheits- oder Pflegedienst Zeit, Geld und Ressourcen kosten.

Im Mittelpunkt der Lösung von COMMONWELL stehen Systeme und Technologien, mit denen sich der Informationsaustausch zwischen Organisationen deutlich verbessern lässt. Das Modell umfasst die Erstellung eines Protokolls für die E-Mail-Kommunikation zwischen Krankenhäusern und Anbietern häuslicher Krankenpflege bis hin zur gemeinsamen Nutzung der Ergebnisse der Überwachungssysteme und deren Verknüpfung mit den medizinischen und sozialen Pflegedaten.

Um die technologischen Probleme bei der Kommunikation verschiedener IKT-Systeme zu lösen, entwickelte das Konsortium eine modulare Softwarearchitektur, die offene Standardintegrationspunkte für die zusammenwirkenden Systeme für den Zugriff und die gemeinsame Nutzung dieser Informationen bieten. Dank der Nutzung service-orientierter Ansätze bei der Systementwicklung kann die COMMONWELL-Architektur Ereignis- und Gesundheitsdaten der verfügbaren Module zusammengefasst und in Echtzeit verarbeiten, wie z. B. aus Fernüberwachungsplattformen in den Wohnungen der betroffenen Personen. Diese Informationen werden dann über eine Reihe von COMMONWELL-Internetdiensten einer Reihe von verschiedenen Akteuren zugänglich gemacht.

Schutz von Patientendaten
Entscheidend ist hierbei die Tatsache, dass das System so ausgelegt ist, dass sicherheitsrelevante von nicht sicherheitsrelevanten Elementen getrennt und die Patientendaten gemäß den Datenschutzgesetzen geschützt werden.

"Patientendaten sind hoch sensibel und die Vorschriften dahingehend, wer darauf Zugriff hat und was damit geschehen kann, sind von Land zu Land unterschiedlich", bemerkt Meyer. "Daher mussten wir für jeden der Pilotstandorte in Deutschland, Spanien, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich mit einer juristischen Analyse beginnen und Wege finden, um das System und die Arten der Daten, die wir dementsprechend verwenden und weitergeben können, anpassen."

Ein Beispiel hierfür sei, wenn den Sozialbetreuern Vitalparameterdaten aus den Fernüberwachungssystemen zur Verfügung gestellt werden, so Meyer. In den meisten Ländern hat nur der Arzt, die Krankenschwester oder das Krankenhaus Zugriff auf diese Daten. Hierfür wurde jedoch eine Lösung gefunden, sodass das System die Daten automatisch prüfen kann, um zu ermitteln, ob der Blutdruck oder der Blutzucker der Person beispielsweise innerhalb der empfohlenen Grenzwerte liegen, die der Arzt festgelegt hat, und den Sozialbetreuer informiert, dass die Vitalparameter des Patienten in Ordnung sind. Wenn sich etwas verändert, kann das System den Betreuer sofort darüber informieren, dass etwa die Herzfrequenz zu hoch ist, ohne ihm jedoch Zugriff auf sensible Rohdaten des Überwachungssystems zu geben.

An Pilotstandorten in Milton Keynes im Vereinigten Königreich und in Eindhoven in den Niederlanden wurde ein System entwickelt, das Krankenpflege- und Sozialbetreuungsanbieter unterstützen soll, die sich um Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung oder chronischer Herzinsuffizienz kümmern. Die Architektur und die Untersysteme sollen hauptsächlich die Kommunikation und Zusammenarbeit verschiedener Anbieter verbessern und damit Ängste abbauen sowie die Behandlungserfolge bei Menschen mit chronischen Krankheiten und Patienten erhöhen, die unmittelbar nach einem Krankenhausaufenthalt auf Unterstützung angewiesen sind.

In Verbindung mit Fernüberwachungslösungen wurde das COMMONWELL-System an beiden Standorten bei Hunderten alter Menschen eingesetzt. Hierbei hat sich gezeigt, dass es in der Lage ist, den sogenannten "Drehtür-Effekt" bei Krankenhausaufnahmen zu reduzieren, wobei ein Patient entlassen wird, um nur wenige Wochen später ins Krankenhaus zurückzukehren. Darüber hinaus führte die durch das COMMONWELL-System verbesserte Koordinierung und Kommunikation zu einem deutlich höheren Gefühl an Sicherheit und Unterstützung sowie einer besseren psychischen und allgemeinen Verfassung.

In Bielefeld, Deutschland, arbeiteten die COMMONWELL-Partner mit dem Johanneswerk zusammen, das etwa 550 Personen in der Stadt betreut. Die Krankenschwestern der Organisation müssen pro Jahr 100 bis 150 Krankenauseinweisungen bzw. -entlassungen bewältigen, von denen die meisten in ein bestimmtes Krankenhaus erfolgen. In der Vergangenheit füllten sie hierfür Papierformulare aus, um die Patientendaten an das Krankenhaus weiterzuleiten - ein zeitaufwändiges Verfahren. Dank des jetzt verwendeten COMMONWELL-Systems werden die Informationen jetzt digitalisiert und automatisch weitergegeben, was eine Vereinfachung der Krankenhauseinweisungen zur Folge hat. Dadurch werden die Patienten schneller behandelt und die Kosten der Anbieter können gesenkt werden.

Und in Spanien erfolgte die Bereitstellung der COMMONWELL-Technologie in Zusammenarbeit mit ASSDA, dem Sozialbetreuungsanbieter der andalusischen Regierung, der gegenwärtig mit 175.000 Kunden in ganz Andalusien eines der größten Sozialfürsorge-Callzentren in Europa betreibt.

"Die Betreiber von ASSDA-Callzentren hatten es häufig mit Notfallsituationen zu tun. Um aber einen Krankenwagen zum Haus des Anrufers zu schicken, mussten sie beispielsweise das Gespräch mit dem Anrufer unterbrechen und die Informationen per Telefon an den Notdienst weiterleiten. Das dauerte lange und machte dem Anrufer Angst, da er darauf warten musste, dass ihn der Rettungsdienst zurückruft", sagt Meyer.

Mithilfe der COMMONWELL-Lösung können die ASSDA-Betreiber jetzt Anruferdaten, wie Name, Adresse und Gesundheitszustand, mit einem Mausklick an Rettungsdienste versenden, sodass eventuell lebensrettende Minuten für den Patienten gewonnen und die Arbeitslast der ASSDA-Betreiber und Notrufzentralen verringert werden können.

Damit es unterbrechungsfrei und nachhaltig über einen längeren Zeitraum funktioniert, muss das Geschäftsmodell geeignet sein - daher wurden die COMMONWELL-Dienste einer rigorosen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. Im Allgemeinen trug das System zu einer schnelleren Abwicklung von Notrufen, einer effizienteren Einweisung von Patienten und einer zielgerichteteren Servicereaktion bei. Bei der Berechnung des sozioökonomischen Gewinns des Systems ermittelten die Projektpartner ein positives Ergebnis, sodass die Investitionen innerhalb von etwa zwei Jahren nach Projektstart amortisiert waren.

Das COMMONWELL-System wird an allen vier Pilotstandorten weitergeführt, während das parallel laufende Projekt "ICT-enabled service integration for independent living" (INDEPENDENT) das Integrationsmodell zu erweitern versuchte, um nicht nur öffentliche und private Krankenpflege- und Sozialfürsorgeanbieter, sondern auch Freiwilligenorganisationen und informelle Pflegekräfte einzubeziehen. Empiricais ist dabei ein Buch mit dem Titel "Beyond Silos -Achieving Effective Integrated E-Care Beyond the Silos" zu veröffentlichen, in dem es um die Erfahrungen der Organisation in beiden Projekten und an anderen Standorten in Europa geht, das sich mit den Herausforderungen bei der Schaffung integrierter eCare-Dienste beschäftigt und mögliche Lösungen vorstellt.

Außerdem werden an der Folgeinitiative SMARTCARE mehrere COMMONWELL-Partner und Dutzende Kommunen in ganz Europa teilnehmen, die Modelle der integrierten Pflege einführen wollen.

"Die integrierte Pflege ist bereits seit Jahren im Gespräch, aber offensichtlich wird den Menschen durch Initiativen wie dieser bewusst, dass es Zeit ist, zu handeln und sie umzusetzen", sagt Meyer.

COMMONWELL erhielt zusätzliche Fördermittel im Rahmen des Programms zur Unterstützung der IKT-Politik unter dem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) der Europäischen Union.

Link zur Projektwebsite:
http://www.commonwell.eu

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