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Über 200 Krankenhäuser werden bis 2020 schließen müssen, wenn sich die wirtschaftliche Situation nicht entscheidend verbessert. Zu diesem Fazit kommt der aktuelle Krankenhaus Rating Report, eine tiefgehende Analyse der Jahresabschlüsse von über 1.000 deutschen Krankenhäusern. Heute schon befindet sich jede siebte Klinik in erhöhter Insolvenzgefahr und nur etwa die Hälfte aller Krankenhäuser erwirtschaftet die Erträge, mit denen sie ihre Unternehmenssubstanz erhalten kann. Es ist daher von größter Bedeutung, rasch die Handlungsoptionen zu erkennen, zu analysieren und wirkungsvolle Maßnahmen einzuleiten - etwa Spezialisierung, Digitalisierung, Verbesserung der Managementstrukturen und Verbundbildung.

Status Quo im Krankenhausmarkt
Die Lage ist bedenklich: Besonders den kleineren, öffentlich-rechtlichen und westdeutschen Krankenhäusern werden nach der neuen Gemeinschafts-Studie von RWI, HCB und Accenture 2Krankenhaus Rating Report 2012 - Krankenhausversorgung am Wendepunkt" harte Zeiten vorausgesagt. Während die Lage in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen vergleichsweise gut ist, sind die Krankenhäuser in Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen am Straucheln. Auch bei der Unterteilung nach Trägern ist ein starker Unterschied zu erkennen: Von den privaten Krankenhäusern erreichen 80 % ihre trägerspezifische Mindest-Marge, von den nicht-privaten nur 40 %. Außerdem schneiden Kliniken mit einem hohen Spezialisierungsgrad qualitativ und wirtschaftlich meist besser ab als ihre breiter aufgestellten Pendants. Besonders bei kleinen Kliniken mit weniger als 200 Betten zeigt sich, dass mit dem Grad der Spezialisierung auch der Erfolg wächst. In diesem komplexen Umfeld ist jedes Krankenhaus zu einer tiefgehenden Analyse aufgerufen: Was sind die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren und wie können diese genutzt werden?

Prognose bis zum Jahr 2020 - alarmierend
Die Patienzahlen nehmen zu und durch diese Mengendynamik wächst der Krankenhausmarkt: 2010 belief er sich auf 74,3 Mrd. Euro. Doch trotzdem bleibt die Lücke zwischen Kosten und Erlösen in den Krankenhäusern, die Fördermittel nehmen ab. War im Jahr 2010 nicht einmal jedes zehnte Krankenhaus von einer Insolvenz bedroht, gehen die Autoren davon aus, dass bis zum Jahr 2020 jedes sechste Krankenhaus von einer hohen Insolvenzgefahr betroffen sein wird. Eine Marktbereinigung ist jedoch zum Teil nötig, um den Krankenhausmarkt zu stabilisieren. Das ist aber kein Persilschein für die verbleibenden Krankenhäuser. Diese müssen sich in vielen Punkten stärker aufstellen.

Am Wendepunkt: Schnelles Handeln nötig
Die Krankenhausversorgung steht 2012 an einem Wendepunkt. Aus politischer Sicht gilt es, die starke Mengendynamik zu bremsen, Qualitätsprobleme zu stoppen, die Konsolidierung zu beschleunigen und die Investitionsfähigkeit zu steigern.

Entscheidend ist auch, wie die Krankenhäuser angesichts der Anforderungen an die Qualität und Wirtschaftlichkeit agieren. Dabei gibt es vor allem vier Erfolgsfaktoren: Spezialisierung, medizinische Qualität, Patientenzufriedenheit und Managementstruktur. Letztere untersuchte die Studienserie 2012 erstmals und erkannte einen signifikanten Zusammenhang: Ein dem Krankenhaus angepasster organisatorischer Aufbau und qualifizierte Mitarbeiter auf den Schlüsselpositionen, kurz die Managementstruktur, erhöhen den wirtschaftlichen Erfolg. Auch gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der medizinischen Qualität einer Klinik und ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Die Autoren zeigen, dass unter den Kliniken, die bei der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung als auffällig registriert sind, 16 Prozent insolvenzgefährdet sind. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie bei Kliniken ohne Probleme bei der medizinischen Qualität.

Erstmals konnte der Report einen Zusammenhang zwischen Quantität und Qualität der medizinischen Behandlung nachweisen: so ist zum Beispiel die Sterblichkeitsrate von operierten Bauchaortenaneurysmen (Aussackung der Hauptschlagader im Bauch) bei Krankenhäusern mit wenigen Operationen doppelt so hoch wie bei spezialisierten Kliniken mit vielen Eingriffen.

Die nötige Konsolidierung der Krankenhäuser beschleunigt sich auch, wenn die knappen öffentlichen Mittel effizienter auf weniger Begünstigte verteilt werden. Krankenhäuser ohne erkennbare wirtschaftliche Zukunft, mit Qualitätsproblemen und ohne nennenswerte Bedeutung für die regionale Versorgung würden so aufgegeben. Zusätzlich sollte der Gesetzgeber generell mehr unternehmerische Freiheit gewähren, damit die Krankenhäuser schneller handeln und sich selbst stärker aufstellen können.

Um die Mengendynamik einzuebnen, ist ein "Rechtehandel" denkbar, bei dem jährlich eine feste Menge an Rechten für die Abrechnung von Krankenhausbehandlungen ausgegeben wird. Mengenverhandlungen würden dann zwischen den Krankenhäusern stattfinden, ohne die Krankenkassen einzubinden. Gleichzeitig würde ein Rechtehandel Anreize zur weiteren Spezialisierung schaffen und die Konsolidierung des Krankenhausbereichs antreiben - dieser "Zertifikatehandel" würde Strukturoptimierung begünstigen, ohne schwächere Krankenhäuser zu benachteiligen.

Das Krankenhaus der Zukunft
Die Autoren rechnen damit, dass sich der Krankenhausmarkt stark wandeln wird. Langfristig ist davon auszugehen, dass sich vier bis fünf große Klinikverbünde herauskristallisieren, die insgesamt einen Marktanteil von etwa 60 % auf sich vereinen. Sie würden eng mit Partnern aus dem kommunalen und universitären Bereich kooperieren und jeweils eine gemeinsame Dachmarke bilden. Ihnen werden einige regionale Verbünde (30 %) sowie spezialisierte Nischenanbieter (10 %) gegenüberstehen. Bei der Marktbereinigung werden aber nicht die "Großen" die "Kleinen", sondern vielmehr die "Schnellen" die "Langsamen" überflügeln. Sofortiges kluges Handeln ist daher gefragt. Besonders hilfreich kann es hierbei sein, sowohl internationale Erfahrung als auch Expertise aus anderen Industrien hinzuzuziehen und vorhandene Erfahrungen rund um das wirtschaftliche Handeln zu nutzen, da es hier bereits "Best Practice" und "Benchmarks" gibt.

Charakteristisch für die konsolidierten Krankenhäuser werden professionelle Management- und Aufsichtsstrukturen sein und nicht zu vergessen der Einsatz moderner IT. Durch intelligente IT wird der Patientenfluss optimal gesteuert und Prozesse verlaufen zunehmend standardisiert und automatisiert. Elektronische Patientenakten tragen zur Steigerung der Behandlungsqualität und der wissenschaftliche Evaluierung von Behandlungspfaden bei. Durch IT können Krankenhäuser besser vernetzt und transparenter sein, was die Grundlage für mehr Behandlungsqualität legt - einer der vier genannten Erfolgsfaktoren.

Langfristig kann sich so eine patientenorientierte, sektorenübergreifende Medizin herausbilden, die Nachhaltigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sichert.

Weitere Informationen erhalten Sie direkt bei Dr. med. Sebastian Krolop unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 0211-9120-64816.

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