Systeme zur Befundunterstützung, die auf Methoden der künstlichen Intelligenz basieren, halten zunehmend Einzug in radiologische Praxen und Abteilungen. Nicht anders ist es bei radprax, einem der größten Verbünde von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Praxen für Radiologie, Nuklearmedizin, Kardiologie und Strahlentherapie in Nordrhein-Westfalen. Der Verbund, der mit 50 niedergelassenen Fachärzten an acht Standorten arbeitet, führt einen Algorithmus von FUSE-AI ein, um suspekte Areale der Prostata zu markieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit maligne Tumore zeigen, und damit die Krebserkennung zu verbessern.

„Unsere Radiologen führen jährlich etwa 600 bis 700 multiparametrische Prostata-MRTs durch“, sagt Dr. Heiner Steffens, geschäftsführenden Gesellschafter von radprax. „Mit der neuen, nun zu entwickelnden Lösung, wollen wir in erster Linie unsere Ärzte bei der Befundung von Prostatakarzinomen unterstützen und entlasten.“

Da es sich nicht um eine fertige Lösung handelt, sondern um einen flexiblen Algorithmus, der auf verschiedene Fragestellungen trainiert werden kann, nimmt die Produktentwicklung etwa sechs Monate in Anspruch. „In dieser Zeit bereiten wir die Daten vor, konzipieren die Infrastruktur, entwickeln Softwarekomponenten wie Cloud, Desktop und App und entwerfen und trainieren ein Deep Learning Modell“, erläutert Dr. Sabrina Reimers-Kipping, Specialist for Artificial Intelligence bei FUSE-AI. Nach Abschluss der Produktentwicklung wird der Algorithmus testweise eingesetzt und als Medizinprodukt zugelassen. In der Testphase befundet der Arzt wie gewohnt und vergleicht seine Ergebnisse mit denen des Algorithmus.

Nach Aussage von Dr. Steffens existieren bereits gute Expertensysteme für Lungen- oder Mammakarzinome, die allerdings aus Angst, Läsionen zu übersehen, eher sehr empfindlich sind. Für Prostatauntersuchungen wird bei radprax bislang kein solches System eingesetzt. „Auf lange Sicht erwarten wir uns eine Vereinfachung des Arbeitsablaufs und eine deutliche Entlastung für unsere Ärzte“, blickt der radprax-Geschäftsführer voraus. Sie erhalten eine technische Unterstützung, die hilft, keine verdächtigen Areale zu übersehen. „Patienten können auf eine sicherere Diagnose hoffen, bei der einerseits weniger aggressive Tumore übersehen und andererseits unnötige Prozeduren vermieden werden“, so auch die Hoffnung von Dr. Inga Cruse, Methodenverantwortliche Ärztin MRT bei radprax.

FUSE-AI wird von der Deutschen Telekom mit dem Startup-Programm „TechBoost“ gefördert. Es enthält u.a. ein Startguthaben in Höhe von 100.000 Euro für skalierbare IT-Ressourcen, wie Rechen- und Speicherkapazität aus der Open Telekom Cloud. Der Algorithmus wird in einem der weltweit sichersten und modernsten Rechenzentren bei Magdeburg gehostet.

Über FUSE-AI
FUSE-AI hat zwei Schwerpunkte: Medizin und IT. Der Leitgedanke besteht darin, Medizinern über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine zweite Meinung in der Diagnose anzubieten, um die medizinische Qualität der ärztlichen Leistung zu erhöhen. Darüber hinaus ist KI in zahlreichen weiteren Bereichen anwendbar. Dazu zählen etwa die Wirkstoffforschung, Biomarkerentwicklung, intelligenten Bilderkennung, Genom-Analyse sowie die morphometrischen Darstellung in der digitalen Pathologie, Therapieunterstützungssysteme mit Heilungsprognose, mobile Apps zur intelligenten Erfassung von Vitaldaten oder die Generierung von Forschungsergebnissen aus der Analyse annotierter Daten aus ethischen Biobanken. Das Team von FUSE-AI arbeitet interdisziplinär und ist mit Biologen, Medizinern sowie IT-Entwicklern und Machine Learning Experten besetzt. Zusammen konzipieren sie streng nach deutschen Datenschutzrichtlinien neue Ansätze für die Optimierung von Prozessen im Gesundheitswesen.

www.fuse-ai.de

Über radprax
Die radprax-Gruppe ist ein Verbund von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Praxen für Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie und betreut sowohl ambulante Patienten als auch radiologische Abteilungen von Krankenhäusern. Mit jährlich rund 400.000 Patientenuntersuchungen, davon 120.000 MRT Untersuchungen zählt radprax zu den modernsten radiologischen medizinischen Versorgungszentren ( MVZ ) in Deutschland. Insgesamt arbeiten 65 Fachärzte (Radiologen, Nuklearmediziner, Kardiologen und Strahlentherapeuten) und 380 hochqualifizierte medizinisch-technische Mitarbeiter an derzeit 12 radprax-Standorten in Wuppertal, Solingen, Hilden, Düsseldorf, Münster, Arnsberg, Meschede und Plettenberg.

Beliebte Artikel

conhIT 2018: DGN und medisign stellen TI-Komponent…

Auf dem E-Health-Branchentreff conhIT in Berlin präsentieren der IT-Dienstleister Deutsches Gesundheitsnetz (DGN) und der Signaturkarten-Anbieter medisign gemeinsam ihre ...

MEDIZIN 2018: Großes Interesse an medatixx und Tel…

Der Praxissoftwarehersteller medatixx freut sich über einen großen Zulauf am Messestand auf der MEDIZIN 2018. „Es war zu einigen Zeiten so viel Andrang, dass unser Messet...

1.000 Videosprechstunden in Pflegeheimen

Im Modellprojekt „elektronische Visite“ kommunizieren seit Mai 2016 neun Pflegeheime und elf Arztpraxen mit der gleichnamigen Videosprechstunde. Kürzlich wurde die 1.000 ...

IT-gestützte Frühwarnsysteme im Mittelpunkt einer …

Praxisnahe Fortbildung, interdisziplinärer Dialog, neue Impulse - seit 28 Jahren ist das Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege ein fester Termin im Kalender von Inte...

TI-Anbindung: DGN fordert eine Änderung der Finanz…

Aus Sicht des IT-Dienstleisters und künftigen VPN-Zugangsdienst-Anbieters Deutsches Gesundheitsnetz (DGN) sollten die Erstattungspauschalen, die GKV-Spitzenverband und Ka...

Zukunftsweiser Innovationsfonds? DGTelemed-Vorstan…

Zum 12. Mal findet am 13. und 14. März 2018 der Gesundheitskongress des Westens in Köln statt und versammelt zahlreiche Expertinnen und Experten des Gesundheitswesens zur...

(HEALTH IT) SPACE